Ein Telegram-Airdrop ist meistens ein Punktestand, den ein Projekt später in einen Token umwandelt. Der Punktestand liegt in einer Web-App im Messenger, der Token auf einer Blockchain. Genau in der Lücke dazwischen liegen sowohl die Chance als auch der Betrug.
So läuft ein Tap-to-Earn-Airdrop ab
Die meisten Programme folgen denselben vier Phasen. Wer sie kennt, sieht sofort, in welcher Phase ein Bot gerade steckt und welche Anfragen dazu passen und welche nicht.
- 1. SpielenDu öffnest eine Mini App über einen Link oder Bot, tippst, erledigst Aufgaben oder lädst Freunde ein. Dein Guthaben ist ein Eintrag in der Datenbank des Projekts, noch nichts auf einer Blockchain.
- 2. AnkündigenDas Projekt kündigt einen Token an und erklärt, was mit den Guthaben passiert. Das sollte auf der eigenen Website oder in den offiziellen Kanälen stehen.
- 3. VerbindenDu verbindest eine Wallet, auf TON über TON Connect. Ab hier ist echtes Geld in Gefahr, falls die App gefälscht ist.
- 4. ClaimenDu holst die Token ab und kannst sie halten, staken oder verschieben. Der Claim kann befristet sein, wie der Fall Notcoin zeigt.
Keine dieser Phasen verlangt, dass du Geld schickst, um Token zu bekommen, deine Seed-Phrase eintippst oder deinen Telegram-Anmeldecode weitergibst. Taucht eine dieser Bitten auf, egal in welcher Phase: abbrechen.
Was Mini Apps sind, in Telegrams eigenen Worten
Die Telegram-Dokumentation beschreibt Mini Apps als JavaScript-basierte Weboberflächen, die innerhalb von Telegram laufen und Anmeldung, Zahlungen über Drittanbieter und Push-Benachrichtigungen unterstützen. Auf dieser Technik bauen die meisten Tap-to-Earn-Spiele auf.
Drei Details aus der Dokumentation sind für deine Sicherheit wichtig:
- Startlinks sind gewöhnliche Links. Die Haupt-App eines Bots lässt sich über
https://t.me/botusername?startappöffnen, ein Direktlink hat die Formhttps://t.me/botusername/appname. Solche Links kann jeder überall veröffentlichen. Das Format sagt also nichts über die Echtheit. - Apps bekommen Profildaten. Laut Dokumentation erhält eine App unter anderem Nutzer-ID, Name, Benutzername, Sprachcode, Premium-Status und Profilbild-URL, dazu einen
start_param, der zum Beispiel einen Empfehlungscode tragen kann. Deine Telefonnummer steht nicht auf der Liste. - Hinter der App steckt eine Website. Die Dokumentation verlangt von Entwicklern, empfangene Daten auf dem eigenen Server zu prüfen, weil das ungeprüfte Objekt nicht vertrauenswürdig sei. Das richtet sich an Entwickler, erinnert aber auch dich daran: Eine Mini App ist nur so seriös wie der Betreiber der Seite dahinter.
In der Telegram-FAQ heißt es außerdem, dass Bots deinen öffentlichen Namen, Benutzernamen, dein Profilbild und die Nachrichten sehen, die du ihnen schickst, deine Telefonnummer aber nur, wenn du sie selbst teilst. Jeder Bot sei wie ein Fremder zu behandeln.
Die Verbindung zu TON
Die TON-Dokumentation beschreibt TON als Blockchain-Plattform für skalierbare Smart Contracts, Anwendungen und Zahlungen im Massenmaßstab. Über das Verhältnis von TON und Telegram sagt sie wenig mehr, als Mini Apps und Community-Chats zu nennen, und mehr behaupten wir auch nicht. Belegen können wir, wie eine Wallet verbunden wird.
| Punkt | Was die offizielle Dokumentation sagt | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| TON Connect | Das Standardprotokoll, um Wallets auf TON mit Apps zu verbinden. Es baut eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Sitzung auf. Die App kann die verbundene Adresse lesen, Signaturen anfragen und Transaktionen senden. | Mit der Verbindung teilst du deine Adresse und erlaubst Anfragen zur Signatur. Lies jede Anfrage in der Wallet, bevor du bestätigst. |
| Private Schlüssel | Die App greift nie auf die privaten Schlüssel der Nutzer zu. | Kein echter Ablauf braucht deine Seed-Phrase. Eine Seite, die danach fragt, nutzt das Protokoll nicht. |
| Digitale Güter in Mini Apps | Mini Apps, die digitale Güter oder Dienste verkaufen, müssen Telegram Stars statt TON-Zahlungen nutzen. TON Connect bleibt für erlaubte Blockchain-Interaktionen verfügbar. | Ein Kauf in der App läuft über Telegrams Zahlungsablauf. Die Bitte, TON an eine Adresse aus dem Chat zu schicken, ist etwas völlig anderes. |
Weitere Kampagnen auf dieser Chain sammeln wir auf der Seite zum TON-Ökosystem. Wie du eine getrennte Wallet einrichtest, steht im Ratgeber zur Burner-Wallet.
Fallbeispiel: was die Notcoin-Akte zeigt
Wir nutzen bewusst nur ein Beispiel und übernehmen nur, was unser Notcoin-Eintrag aus offiziellen oder klar gekennzeichneten Quellen belegt.
Notcoin begann als Tipp-Spiel in Telegram. Spieler sammelten durch Tippen ein Guthaben in der App.
Das Projekt wechselte zu einem Token auf TON. Geclaimte Token ließen sich in eine Wallet abheben, an eine Börse senden oder in der App staken.
Laut Decrypt endete an diesem Tag das Claim-Fenster, einen Monat nach dem Start.
Die offizielle Website zeigt ein Burn-Dashboard. Dort sind rund 210 Millionen NOT aus nicht abgeholten Notcoin-Clicker-Guthaben als verbrannt aufgeführt.
Daraus folgen drei Lehren und eine Einschätzung, die wir als solche kennzeichnen:
- Guthaben können verfallen. Wer im Zeitfenster nicht geclaimt hat, verlor sein Guthaben, und das Projekt machte aus dieser Menge verbrannte Token.
- Der Claim lief in der Mini App. Eine separate Website war im dokumentierten Ablauf nicht vorgesehen. Eine „Notcoin-Claim-Seite“ im Browser ist deshalb doppelt verdächtig.
- Vieles ist nicht belegt. Einen offiziellen Beitrag mit Umrechnungsformel, Anteil am Gesamtangebot oder Snapshot haben wir nicht gefunden, also beschreiben wir diese Punkte nicht.
- Einschätzung der Redaktion: Ein Programm mit wenig Aufwand für Millionen Menschen bedeutet einen kleinen, unsicheren Betrag pro Kopf. Die Zeit war ein echter Einsatz, das Ergebnis nie garantiert.
Warum so viele „Telegram-Airdrop“-Bots Betrug sind
Eine Quote nennen wir nicht, weil wir keine offizielle Statistik gefunden haben. Die Mechanik erklärt aber, warum die Kategorie Betrüger anzieht: Ein Bot ist schnell und kostenlos eingerichtet, Links verbreiten sich über Chats, und viele Nutzer tippen auf einen Bot, ohne irgendetwas zu lesen. Diese Muster kehren immer wieder.
| Masche | Was du siehst | Was wirklich passiert |
|---|---|---|
| Fake-Bot | Ein Bot mit einem Namen ähnlich einem echten Projekt bietet einen Claim an | Benutzernamen kann jeder registrieren. Der Notcoin-Claim ist beendet, jeder aktuelle „Notcoin-Claim“-Bot ist also nicht das Original. |
| „Wallet verifizieren“ | Erst verbinden, dann Seed-Phrase eintippen oder etwas Unklares signieren | Laut TON-Dokumentation erhält die App nie deine Schlüssel. Eine Frage nach der Seed-Phrase ist per Definition Diebstahl. |
| Falscher Support | Nach einer Frage in einer Gruppe meldet sich „der Support“ per Direktnachricht | Echte Moderatoren schreiben in der Regel nicht zuerst. Berachain etwa sagt ausdrücklich, seine Moderatoren würden dich nie zuerst anschreiben. |
| Gruppen-Spam und Gewinnspiele | Ein Fremder lädt dich in eine Gruppe ein, in der ein Bot Claims oder ein „Krypto-Gewinnspiel“ postet | Die Einladung ist der Köder. Telegram rät, jeden Bot als Fremden zu behandeln. Die BaFin beschreibt Gewinnspiele als Mittel, Mitglieder in Betrugsgruppen zu halten. |
| Anmeldecode | Ein Bot fragt nach dem Code, den Telegram dir geschickt hat | Laut Telegram darf dieser Code niemals an irgendjemanden weitergegeben werden. Wer ihn hat, kann dein Konto übernehmen. |
| Erst zahlen, dann claimen | Eine Gebühr oder Einzahlung soll Token „freischalten“ | Echte Claims verlangen keine Zahlung, um Token zu erhalten. Mehr dazu im Ratgeber Airdrop-Betrug. |
Was die BaFin über Betrug in Messenger-Gruppen sagt
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beschreibt auf einer eigenen Verbraucherseite Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram. Das dort geschilderte Muster betrifft zwar vor allem angebliche Aktien- und Trading-Tipps, überschneidet sich aber stark mit dem, was rund um Airdrops passiert:
- Betroffene werden in Gruppenchats eingeladen, oft mit Namen wie „Akademie“ oder „Lerngruppe“, in denen ein vermeintlicher Experte täglich Tipps verteilt.
- Später folgt der Wechsel auf eine gefälschte Plattform, teils mit Testguthaben und kleinen Auszahlungen, die Vertrauen schaffen sollen. Gewinnspiele halten die Gruppe bei Laune.
- Einzahlungen fließen häufig an Krypto-Wallets oder ausländische Konten. Auszahlungen werden mit angeblichen Steuern oder Gebühren blockiert.
- Manche Opfer geraten danach an „Recovery“-Betrüger, die gegen Vorkasse verlorenes Geld zurückholen wollen.
Zwei Sätze der BaFin lohnen sich zum Merken: Ihr sind keine zugelassenen Anbieter bekannt, die Anlegerinnen und Anleger über Messenger-Gruppenchats ansprechen. Und bei Betrugsverdacht soll man sich an die Polizei wenden. Wer behauptet, eine Erlaubnis zu haben, lässt sich in der Unternehmensdatenbank der BaFin nachschlagen. Für einen reinen Airdrop-Bot ist das selten relevant, für die „Plattform“, auf die er dich anschließend schickt, aber oft.
So prüfst du, ob ein Bot offiziell ist
Prüfen heißt hier genau eines: Der Name, den du öffnen willst, ist derjenige, den das Projekt selbst veröffentlicht. Das Werkzeug unten zerlegt einen Telegram-Link in seine Bestandteile, damit du jeden Teil mit der Dokumentation des Projekts vergleichen kannst. Es kann nicht beweisen, dass ein Bot echt ist. Es hilft dir nur, zu lesen, was man dir geschickt hat. Nichts verlässt deinen Browser.
Danach gehst du diese Schritte der Reihe nach durch:
- Öffne die Website des Projekts, indem du die Adresse selbst eintippst oder ein Lesezeichen nutzt.
- Such dort oder in der Dokumentation den Telegram-Link und öffne Telegram über genau diesen Link.
- Vergleiche den Namen Zeichen für Zeichen mit dem, was man dir geschickt hat. Achte auf vertauschte Buchstaben, zusätzliche Unterstriche und Zahlen.
- Laut Telegram müssen Bot-Namen auf
botenden und lassen sich später nicht ändern. Eine passende Endung ist trotzdem kein Grund für Vertrauen. - Findest du nirgends einen offiziellen Link, ist die Antwort nein. Den ausführlichen Test beschreibt der Ratgeber seriöse Airdrops erkennen.
Checkliste vor dem Öffnen
Bevor du eine Telegram-App öffnest oder verbindest
0/8Was wir nicht wissen
Zu unserer Arbeitsweise gehört, Lücken offen zu benennen. Wir haben keine offizielle Quelle für die Spielerzahlen eines Telegram-Spiels gefunden, auch nicht dafür, wie einzelne Projekte Bots herausfiltern oder wie Telegram Bots oder Kanäle verifiziert. Deshalb nennen wir dazu keine Zahlen. Siehst du eine solche Zahl in einem Social-Media-Beitrag, frag nach der Quelle.
Auch Token aus Telegram-Airdrops können steuerlich relevant sein, je nachdem, ob du eine Leistung erbracht hast, etwa Freunde eingeladen oder Daten geteilt. Was das BMF-Schreiben dazu sagt, fasst der Ratgeber Airdrop-Steuern zusammen. Halte jeden Claim fest. Welche Kampagnen wir geprüft haben, zeigt die Liste neue Krypto-Airdrops, und wie wir prüfen, erklärt die Seite How we verify (auf Englisch).
Primärquellen
Quellen zuletzt geprüft am 19. Okt. 2026. Die Links führen zu den Seiten der Projekte selbst, nicht zu Zusammenfassungen anderer Websites.
- Telegram: Dokumentation zu Mini Appscore.telegram.org
- Telegram: Bot-Funktionencore.telegram.org
- Telegram-FAQ: Betrug, Spam und Botstelegram.org
- TON-Dokumentationdocs.ton.org
- TON Connect: Überblickdocs.ton.org
- Notcoin: offizielle Website und Token-Seitenotcoin.org
- Decrypt: Bericht zum Ende des Notcoin-Claims (Drittquelle)decrypt.co
- BaFin: Anlagebetrug über WhatsApp und Telegrambafin.de
Häufige Fragen
Was ist ein Telegram-Airdrop?
Meist ein Punkteguthaben in einer Mini App oder einem Bot innerhalb von Telegram. Du tippst, erledigst Aufgaben oder lädst Freunde ein. Bringt das Projekt später einen Token heraus, können die Punkte in Token umgewandelt werden, die du in derselben App claimst. Vieles, was als Telegram-Airdrop beworben wird, ist allerdings Betrug. Prüfe deshalb zuerst, ob der Bot wirklich zum Projekt gehört.
Was bedeutet Tap-to-Earn?
Ein Spielprinzip, bei dem wiederholtes Tippen oder einfache Aufgaben in einer Telegram Mini App ein Guthaben in der App aufbauen. Dieses Guthaben ist kein Token, solange das Projekt nichts anderes ankündigt. Notcoin ist das dokumentierte Beispiel: Spieler sammelten Guthaben in einem Clicker, später startete der Token auf TON, und die Claim-Phase ist inzwischen beendet.
Kann ich Notcoin heute noch claimen?
Nach allem, was wir prüfen konnten, nein. Laut einem Bericht von Decrypt endete der Claim am 16. Juni 2024, einen Monat nach dem Start von NOT auf TON. Die offizielle Website zeigt inzwischen ein Burn-Dashboard statt einer Claim-Seite. Jeder Bot, der heute einen Notcoin-Claim anbietet, gehört nicht zum ursprünglichen Programm und ist als Betrug zu behandeln.
Wie erkenne ich einen offiziellen Telegram-Bot?
Such den Bot-Namen auf der Website oder in der Dokumentation des Projekts und öffne Telegram über diesen Link. Bot-Namen müssen auf „bot“ enden, das beweist aber nichts, denn Betrüger wählen ähnliche Namen. Telegram rät, jeden Bot wie einen Fremden zu behandeln. Gib einem Bot niemals deine Seed-Phrase oder deinen Telegram-Anmeldecode.
Brauche ich für Telegram-Airdrops eine Wallet?
Meist ja, und zwar eine TON-kompatible Wallet, wenn das Projekt auf TON läuft. Verbunden wird über TON Connect. Laut TON-Dokumentation erhält die App dabei nie Zugriff auf deine privaten Schlüssel. Nutze eine separate Wallet mit kleinem Guthaben. Jede Aufforderung, deine Seed-Phrase einzutippen, ist ein Diebstahlversuch, ganz gleich, wie offiziell sie aussieht.
Warnt die BaFin vor Betrug über Telegram?
Ja. Die BaFin beschreibt auf ihrer Verbraucherseite Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram: Gruppenchats mit angeblichen Experten, gefälschte Handelsplattformen und Gewinnspiele, die Mitglieder bei Laune halten sollen. Laut BaFin sind ihr keine zugelassenen Anbieter bekannt, die Anlegerinnen und Anleger über solche Messenger-Gruppen ansprechen. Bei Betrugsverdacht rät sie, die Polizei einzuschalten.